A.p.e. Ambulantes Pädagogisches Einsatzteam
 

"Die liebste und intensivste Beschäftigung des Kindes ist das Spiel. Vielleicht dürfen wir sagen: Jedes spielende Kind benimmt sich wie ein Dichter, indem es sich eine eigene Welt schafft oder, richtiger gesagt, die Dinge seiner Welt in eine neue, ihm gefällig Ordnung versetzt."
(Siegmund Freud, in Der Dichter und das Phantasieren, 1908)

 

Die heilpädagogischen Erziehungshilfen
sind einerseits angelehnt an die im KJHG / SGB VIII aufgeführten Hilfen zu Erziehung, andererseits an die Eingliederungshilfen im SGB V und SGB XII.  Leistungsangebote aus diesem Katalog werden, je nach Kostenträger, in Rücksprache und enger Kooperation mit den örtlichen Jugendämtern, den Sozialämtern, den Krankenkassen, oder dem Bezirk eingeleitet. Die heilpädagogischen Eingliederungshilfen orientieren sich zum einen am Hilfebedarf des jungen Menschen und seiner familie, zum anderen an den gesetzlichen Grundlagen. 

Gesetzliche Grundlagen
Heilpädagogische Hilfen sind „klassische“ Hilfen zur Erziehung, ob im Rahmen einer stationären Maßnahme, oder als ambulant erbrachte Leistung und haben ihre Finanzierungsgrundlagen im KJHG/ SGB VIII:

  • § 35a SGB VIII Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche oder davon bedroht
  • §27, SGB VIII Voraussetzung einer erzieherischen Hilfe (§27 Abs. 3 SGB VIII, Gegenstand der Hilfen können auch sog. „therapeutische“ Leistungen sein, soweit sie in Verbindung mit einer pädagogischen Hilfe durchgeführt werden)
  • § 28 SGB VIII Erziehungsberatung (im Einzelfall abzuklären bei Heilpädagogischer Beratung)
  • § 29 SGB VIII Soziale Gruppenarbeit (abzuklären bei einem heilpädagogischen Gruppenangebot)
  • § 35 SGB VIII ISE (im Einzelfall abzuklären bei einer Einzelhilfe bzw. -arbeit)
  • § 36 Mitwirkung, Hilfeplan
  • §41 Abs. 1 SGB VIII Hilfe für junge Volljährige (à im Einzelfall abzuklären)

sowie: §§ 53-60 Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung und §§ 97, 98 SGB XII à Zuständigkeiten Bezirk Oberbayern, Sozialamt; § 43a SGB V Nichtärztliche sozialpädiatrische Leistungen, Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen

 

Heilpädagogische Arbeit verdichtet sich als „Heilpädagogische Erziehungshilfe und Entwicklungsförderung (HpE)“ unter erschwerenden Bedingungen für Menschen, insbesondere für Kinder und Jugendliche, die in ihrem Leben beeinträchtigt sind, von Behinderung bedroht sind, mit Behinderung leben, oder sich so fühlen. Als das Ganze heilpädagogischen Verstehens und Handelns bildet die HpE auf anthropologischer und ethischer Grundlage sowie durch entwicklungs-, tiefen-, verhaltenspsychologische und ökologisch-systemische Orientierung ein komplexes, räumlich und zeitlich überpunktuelles Bezugs- und Regelsystem, das mittels gewandelter Beziehungsgestaltung eine veränderte Erziehungsgestaltung – auch im Beeinträchtigt- oder Behindersein – ermöglichen will.

Heilpädagogische Erziehungshilfe und Entwicklungsförderung (HpE) beinhaltet das Ganze aller heilpädagogischen Hilfen für Menschen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht die Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung erreichen, die ihnen optimal möglich wäre. Durch das personale, dialogische Angebot will die HpE zur größtmöglichen subjektiven Erfahrung von Heil und Heilung im Sinne existentieller Erfüllung menschlichen Lebens beitragen. Bei einem heilpädagogischen Angebot geht es nicht um eine funktionale Symptomreduzierung. Das Kind/ der Jugendliche wird nicht fremdbestimmt „be-handelt“ , sondern lernt, selbst bestimmt zu handeln und zu lernen. Aktion, Motivation und Aufmerksamkeit sind dabei Voraussetzungen, die wir mit den Prinzipien der heilpädagogischen Beziehungsgestaltung, Freiwilligkeit, Offenheit und Bedürfnisorientierung koppeln.

Ziele der HpE sind Schritte auf dem Weg zur Erreichung menschlicher Lebensziele. Erziehungs- Förder- und Begleitungsziele:

Veränderung (=Bewegung) à Verbesserung (=Richtung) à  Setzung/Wertsetzung (= Niveau, Bestimmung)

  • „Innerer Halt“ ist oberstes Erziehungs- und Förderziel (Verbundenheit bzw. die Integration zwischen einem tiefen Gefühlslebens und einem starken Willen)
  • Beziehungsarbeit
  • Einübung lebenspraktischer Fähig- und Fertigkeiten
  • Integration
  • Schulung der Wahrnehmung und Motorik
  • Emanzipation/ Autonomie (Selbstkontrolle, Selbstvertrauen, Selbständigkeit, Ich-Stärke, Selbstbestimmung, Verantwortungsbewusstsein, Pflichtgefühl, Durchsetzungsvermögen, Urteilskraft, Kritikfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit)
  • Solidarität (Gemeinschaftssinn, Teamgeist, Kooperationsfähigkeit, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Rücksichtsnahme, Fairness, Vertrauen)
  • Leistungsfähigkeit/ Leistungswilligkeit/ Lernförderung (Kognitive Aktivität, kognitive Belastbarkeit, soziale Aktivität, soziale Belastbarkeit, emotionale Aktivität, somatische Belastbarkeit)
  • Bewegung
  • Wahrnehmung, Sinne
  • Lernen
  • Sprache
  • Verhalten

Kinder und Jugendliche mit:

  • allg. Entwicklungsverzögerung (z.B. aufgrund von deprivierenden Erziehungsbedingungen)
  • Bedrohung von seelischer Behinderung*
  • seelischer Behinderung*
 
         
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